Wie Katzen wirklich ticken – Tipps von Dr. Angelika Drensler
Dr. Angelika Drensler, Fachtierärztin für Kleintiere, ISFM-Mitglied der ersten Stunde und Gründerin der AG-Katzenmedizin, gilt als eine der profiliertesten Katzenexpertinnen im deutschsprachigen Raum. In ihrem Vortrag räumte sie mit liebgewonnenen, aber oft falschen Annahmen über Katzenhaltung auf – und lieferte eine Fülle an alltagsnahen, praxisbewährten Tipps für Tierärzt:innen und Katzenhalter:innen.
Eines ihrer zentralen Themen: Katzen sind keine typischen Sozialtiere. „Viele denken, sie tun ihrer Katze etwas Gutes, wenn sie eine zweite anschaffen – dabei ist das nicht automatisch artgerecht“, so Drensler. In der Natur lebten Katzen meist als Einzelgängerinnen; stabile Gruppen bildeten sich nur aus verwandten, weiblichen Tieren. Wer also unbedingt zwei Katzen halten möchte, sollte Schwestern oder Mutter-Tochter-Paare wählen.
Statt Gesellschaft brauche die Katze vor allem eines: Beschäftigung. Eine Wohnungskatze sollte täglich mindestens eine halbe Stunde aktiv bespielt werden – nicht mit einer zweiten Katze, sondern mit dem Menschen. Ob Angelspiel, Target-Training oder Futter-Suchspiele: „Katzen müssen jagen dürfen – wenigstens ein bisschen am Tag.“ Besonders wirkungsvoll sei das Verstecken von Trockenfutter im Raum, um das Such- und Beuteverhalten zu aktivieren.
Auch beim Thema Fütterung plädierte Drensler für mehr Achtsamkeit. „Katzen essen allein – nebeneinander zu fressen ist unphysiologisch.“ Ideal seien getrennte Futterplätze, an denen sich die Tiere sehen, aber nicht bedrängen können. Das senke Stress und verhindere Unsauberkeit oder Hautprobleme.
Ein weiteres Herzensthema: die Katzentoilette. Abgedeckte Klos seien aus Katzensicht unnatürlich – sie verhinderten die Rundumsicht in einer Situation, in der sich die Tiere besonders verwundbar fühlen. „Katzen wollen sehen, ob sich jemand nähert.“ Besser seien offene, große Toiletten mit mindestens sieben Zentimetern Einstreutiefe, ohne Duftstoffe oder Desinfektionsmittel. Für ältere Tiere empfahl sie flache, gut zugängliche Varianten, etwa aus Gartenfolie mit weichem Rand.
Und dann waren da noch die typischen Drensler-Details, die man sich sofort merkt:
- Kein Edelstahl-Napf – das Spiegeln stresst viele Katzen. Besser: Glas oder Keramik, bis zum Rand gefüllt, damit die Katze das Wasser sehen kann.
- Schnurrhaarfreundliche Futternäpfe – etwa der „Go-Bowl“, bei dem die Katze fressen kann, ohne dass die Tasthaare anstoßen.
- Höhlen ja, aber nicht beim Fressen oder Kotabsatz – Rückzugsorte sind etwas anderes als „vulnerable Zonen“.
Mit viel Humor, Praxiserfahrung und Leidenschaft für die Spezies Katze zeigte Dr. Drensler, dass Katzenhaltung weit mehr bedeutet als Kuscheln und Füttern: Sie ist Feingefühl, Wissen und tägliche Beobachtung. Oder, wie sie selbst sagt: „Katzen brauchen keine zweite Katze – sie brauchen uns, die sie verstehen.“