Erkrankungen des Puerperiums

Das Puerperium, auch Postpartalphase genannt, ist eine sensible Phase im Leben einer Hündin. Während sich der Körper von Trächtigkeit und Geburt erholt, finden umfangreiche Rückbauprozesse statt und gleichzeitig beginnt auch schon der Kraftakt der Laktation.

Die Uterusinvolution ist, verglichen mit anderen Spezies, beim Hund ein langsamer Prozess und kann je nach Studie 12 bis 15 Wochen dauernd. Die meisten Rückbildungsvorgänge finden in den ersten 4 bis 6 Wochen post partum statt und in dieser Zeit zeigt die Hündin auch einen geruchlosen, anfangs grünlichen (aufgrund des Uteroverdins der Plazenta) dann eher dunkelroten bis braunen vaginalen Ausfluss, der im Laufe dieser Wochen kontinuierlich abnimmt. Mit diesen Lochien werden Teile der Gebärmutterschleimhaut abgebaut, die aufgrund des epitheliochorialen Aufbaus der Plazenta beim Hund erneuert werden müssen.

Side fact: Ganz anders ist es bei unseren Katzen. Hier läuft das Puerperium sehr schnell ab. Der Lochialfluss dauert nur wenige Tage und bleibt vom Besitzer aufgrund des meist sehr ausgepägten Putzverhaltens oft unbemerkt. Bereits nach 6 Tagen ist die Regeneration der Gebärmutter zumindest sonographisch abgeschlossen und bereits 7 bis 10 Tage nach der Geburt kann auch schon die nächste Rolligkeit einsetzen.

Postpartale Blutungen

Blutungen unmittelbar nach der Geburt sollten immer mittels Sonographie und Vaginoskopie abgeklärt werden. Bei leichten Blutungen kann, solange keine Geburtsverletzungen oder sonstigen Gründe ersichtlich sind und die Hündin sonst in einem guten Allgemeinzustand ist, Oxytocin verabreicht werden, um den Rückgang der Blutung zu beschleunigen und die Uterusinvolution zu begünstigen. Stärkere Blutungen müssen weiter abgeklärt und oft chirurgisch versorgt werden.

Nachgeburtsverhalten (Retentio secundinarum)

Sollen bei der Geburt nicht alle Plazenten vollständig gesehen worden sein, empfiehlt sich immer eine Kontrolle mittels Vaginoskopie und Ultraschall. Sind Ganze oder auch nur Teile davon im Uterus verblieben und nicht vaginal zu entfernen, kann auch hier Oxytocin gegeben werden um die Uteruskontraktionen und somit die Ablösung der Plazenta zu fördern. (1-(3) I.E. 2-3 mal täglich (Arnold 2000a)). Innerhalb der ersten Tage nach der Geburt sinkt jedoch die Oxytocinrezeptorexpression im Myometrium bereits rapide ab, sodass eine längere Gabe oft nicht den gewünschten Erfolg bringt. Gleichzeitig sollte man eine gute Breitbandantibiose (bei säugenden Hündinnen meist Amoxicillin/Clavulansäure) und im Bedarfsfall auch ein Nicht-steroidales Antiphlogistikum verabreichen. Sollte sich die Plazenta nicht lösen, muss sie vom Körper resorbiert und die Hündin somit weiterhin engmaschig überwacht werden. Im schlimmsten Fall kann auch hier eine OP nötig werden.

Metritis

Eine Metritis ist eine akute Infektion des Endometriums und des Myometriums der Gebärmutter die typischerweise 1 bis 7 Tage nach der Geburt auftritt. Während der Geburt können durch die geweitete Zervix Bakterien aufsteigen und sich in der Gebärmutter ansiedeln. Prädisponierende Faktoren dafür eine Metritis zu entwickeln sind große Würfe, verlängerte Geburten, geburtshilfliche Eingriffe, Übertragung und sekundäre Wehenschwäche. Eine Retention von fetalem oder plazentären Gewebe erhöht das Risko natürlich auch beachtlich.

Das wichtigstes klinisches Anzeichen für eine Endometritis ist ein übelriechender, eitriger, rotbrauner Vaginalausfluss der Hündin. Weiters zeigen Hündinnen oft eine Vernachlässigung der Welpen, Appetitlosigkeit, Lethargie, Vomitus, erhöhte Körpertemperatur und eine verringerte oder fehlende Milchproduktion.

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. In einem einfachen Fall kann eine antimikrobielle Behandlung auf Basis einer bakteriologische Untersuchung und eines Antibiogramms ausreichend sein. Bei einer systemischen Erkrankung können Flüssigkeitstherapie und unterstützende Maßnahmen zur Stabilisierung des Patientenzustands erforderlich sein. In diesem Fall sollte nach Stabilisierung auch eine OP in Betracht gezogen werden.

Erkrankungen des Puerperiums bei der Hündin erfordern eine schnelle und präzise Diagnose, da viele dieser Zustände ernsthafte Komplikationen mit sich bringen können. Hundebesitzer:innen sollten ihre Hündin in der Zeit nach der Geburt genau beobachten, um frühzeitig Anzeichen von Problemen zu erkennen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Tierärzt:innen ist unerlässlich, um die Gesundheit der Hündin und ihrer Welpen sicherzustellen und ernsten Gesundheitsproblemen vorzubeugen."

Dr. Claudia Binder, Diplomate ECAR

Mastitis

Eine Entzündung der Milchdrüse ist eine häufige puerparale Erkrankung die in vielen Formen auftreten kann. Von asymptomatisch bis hin zu schwerer gangränöser Mastitis, welche zum septischem Schock und zum Tod der Hündin und der Welpen führen kann. Auch können nur Einzelne oder gleich mehrere Gesäugekomplexe davon betroffen sein. Insgesamt beträgt die Prävalenz bei Hündinnen 0,71 % aller gemeldeten Erkrankungen und 5,3 % der Reproduktionsstörungen. Rasse (große Rassen) und Alter (Hündinnen > 36 Monate) sind zwei Faktoren, die mit einem erhöhten Auftreten von Mastitis in Zusammenhang stehen und interessanterweise wurde ein Anstieg der Inzidenz im Sommer berichtet (0,30 %; Tarafder & Samad, 2010).

Eine Mastitis wird in der Regel durch bakterielle und/oder mykotische Erreger verursacht, sowohl über aufsteigende (galaktogene) als auch absteigende (lymphatische/hämatogene) Infektionswege sekundär zu puerperalen Genitalinfektionen. Sie kann aber auch bei verschiedenen systemischen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Infektionen wie Dirofilariose oder Leishmaniose auftreten.

Meist entsteht sie jedoch durch das Aufsteigen pathogener Bakterien über den Milchdrüsenausgang oder durch Mikroläsionen am Gesäuge in Folge zu energischen Saugens oder Verletzungen durch die kleinen Zähne oder Krallen. Prädisponierende Faktoren sind eine ungenügende Hygiene im Wurfbereich und eine Galaktostase, welche die bakterielle Besiedlung erleichtert. Die am häufigsten gefundenen Erreger sind Staphylococcus spp. (v. a. S. aureus), Streptococcus spp. und Escherichia coli. Diese können eine lokalisierte oder diffuse Entzündung mit eitriger, hämorrhagischer oder gangränöser Veränderung des Drüsengewebes verursachen.

Es sollte immer eine (möglichst steril entnommene) bakteriologische Milchuntersuchung inkl. Antibiogramm eingeleitet werden. Weiters können eine Hämatologie und klinische Chemie bei Verdacht auf systemische Beteiligung (Leukozytose, Linksverschiebung, CRP ↑) und ein Ultraschall der Milchdrüse durchgeführt werden. Dieser zeigt bei einer akuten Mastitis nicht mehr von einander unterscheidbare Gewebeschichten. Die entzündeten Bereiche sind echoarm bis echolos und weisen eine grobkörnige Struktur auf. Das Gewebe ist stets heterogen. Bei einer gangränösen Mastitis zeigen sich Zysten mit echofreiem Inhalt und das Zentrum der Entzündung ist von jeglicher Blutzirkulation abgeschnitten (Trasch & Wehrend, 2008). Das Vorhandensein echoarmer, mit Flüssigkeit gefüllter Taschen im Brustgewebe deutet auf eine Abszessation des Brustgewebes hin, während ein hyperechogenes Parenchym auf eine chronische Mastitis hindeutet.

Die Therapie muss auf die jeweilige Hündin angepasst werden und besteht bei einer milden bis moderaten Mastitis aus systemische Antibiose nach Antibiogramm sowie einer Schmerztherapie / Entzündungshemmung (zB. NSAIDs wie Meloxicam). Lokale Umschläge und ein sanftes ausmassieren können unterstützend eingesetzt werden.

Bei Abszedierung, Gangrän oder Nekrose der Drüse ist jedoch meist eine chirurgische Eröffnung oder Mastektomie nötig. Die Welpen müssen abgesetzt werden und die Hündin bekommt zusätzlich Cabergolin (5µg/kg SID). Auf Dopamin-Antagonisten wie Metoclopramid sollte aufgrund ihrer Prolactin steigernden Wirkung verzichtet werden.

Eklampsie

Eklampsie, auch als peripartale Hypokalzämie bezeichnet, ist eine akute, lebensbedrohliche Stoffwechselstörung bei laktierenden Hündinnen. Sie tritt meist innerhalb der ersten drei Wochen nach der Geburt auf und ist durch einen plötzlichen Abfall des Blutkalziumspiegels (Ionisiertes Calcium) gekennzeichnet. Ohne rasche Behandlung kann die Erkrankung tödlich verlaufen.

Die Eklampsie entsteht durch eine Kombination aus:

  • Erhöhtem Kalziumbedarf während der Laktation, insbesondere bei großen Würfen
  • Unzureichender Mobilisierung von Kalziumreserven aus dem Skelett und/oder
  • Ungeeigneter Fütterung, insbesondere bei übermäßiger Kalziumzufuhr vor der Geburt - denn zuviel extern zugeführtes Kalzium unterdrückt die Parathormonsekretion und bei Bedarf kann dann nur unzureichend Kalzium mobilisiert werden

Der resultierende Kalziummangel führt zu einer gesteigerten neuromuskulären Erregbarkeit. Da Kalzium für die normale Reizweiterleitung notwendig ist, verursacht ein Mangel Symptome wie Muskelzittern, Krämpfe und im Extremfall Krampfanfälle.

Frühzeichen und typische Symptome sind:

  • Unruhe, Hecheln, Tachykardie
  • Muskelzittern (Tremor), insbesondere an den Hintergliedmaßen
  • Schwäche, Ataxie
  • Hyperthermie
  • Ptyalismus (vermehrter Speichelfluss)
  • Tonisch-klonische Krampfanfälle
  • In schweren Fällen: Bewusstseinsverlust, Koma, Tod

Besonders kleine Rassen wie Chihuahua, Yorkshire Terrier, Zwergpudel und andere Toy-Rassen sind überrepräsentiert. Die Diagnose wird meist schnell durch die Klinik und die Bestimmung des ionisierten oder gesamten Serumkalziums gestellt. Referenzwerte für ionisiertes Kalzium bei Hunden sind je nach verwendeten Gerät ein bisschen unterschiedlich, Werte unter 1,0 mmol/l gelten jedoch als kritisch.

Therapie

  • Langsame intravenöse Gabe von Calciumgluconat (10 %), 0,5–1,5 ml/kg i.v. über 10 bis 30 Minuten unter EKG-Kontrolle. Eine zu schnelle Verabreichung kann zu Arrhythmien oder Asystolie führen. Bei einer Hyperthermie empfiehlt sich eine vorsichtige Kühlung und manchmal ist eine Sedation (z. B. Diazepam) bei ausgeprägter Krampfaktivität nötig.
  • Orale Kalziumsupplementierung (z. B. Calciumcarbonat, Calciumcitrat)
  • Vitamin-D-Gabe zur besseren Resorption
  • Absetzen oder Reduktion der Laktationsbelastung, z. B. Welpen zufüttern oder entwöhnen
  • Flüssigkeitstherapie bei Dehydratation

Mittlerweile gibt es schon gute Futterzusatzpräparate die Kalzium und Phospor im richtigen Verhältnis enthalten (2:1) und denen auch bereits VitD zugesetzt ist. Wichtig ist jedoch trotzdem, dass die Kalzium-Supplementierung erst nach der Trächtigkeit beginnt (ausgenommen sind natürlich medizinische Indikationen) und die Hunde ein ausgewogenes, hochwertiges Futter erhalten. Am besten eignet sich dafür ein Alleinfuttermittel für trächtige oder laktierende Hündinnen oder ein sogenanntes Mother and Baby Futter.

Bei Riskopatienten, also kleinen Rassen mit hoher Welpenanzahl oder bereits vorangegangenen Eklampsie-Episoden sollte der Kalziumspiegel überwacht oder die Welpen zugefüttert werden um die Mutter zu entlasten.

Fazit

Erkrankungen des Puerperiums bei der Hündin erfordern eine schnelle und präzise Diagnose, da viele dieser Zustände ernsthafte Komplikationen mit sich bringen können. Hundebesitzer:innen sollten ihre Hündin in der Zeit nach der Geburt genau beobachten, um frühzeitig Anzeichen von Problemen zu erkennen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Tierärzt:innen ist unerlässlich, um die Gesundheit der Hündin und ihrer Welpen sicherzustellen und ernsten Gesundheitsproblemen vorzubeugen.

Literatur

  • Arnold S., Weiblicher Geschlechtsapparat. Praktikum der Hundeklinik (HG Niemand & PF Suter, eds), Parey, Berlin (D), Edition 8: pp 611-656, 2000.
  • Johnston, S. D. K., Ed. (2001). Canine and feline Theriogenology. W.B. Saunders Company
  • Tarafder, M., & Samad, M. A. (2010). Prevalence of clinical diseases of pet dogs and risk perception of zoonotic infection by dog owners in Bangladesh. Bangladesh Journal of Veterinary Medicine, 8(2), 163–174
  • Trasch K, Wehrend A, Bostedt H. Ultrasonographic description of canine mastitis. Vet Radiol Ultrasound. 2007 Nov-Dec;48(6):580-4. doi: 10.1111/j.1740-8261.2007.00301.x. PMID: 18018734.
  • Vasiu I, Dąbrowski R, Tvarijonaviciute A. Lactation-related mammary gland pathologies—A neglected emergency in the bitch. Reprod Dom Anim. 2021; 56: 208–230.