Kölner Tierärztin Dr. Romy vom Bruch im Gespräch mit Sascha Schiffbauer.
Aus einer Frage zur Urlaubsvorbereitung mit Hund entwickelt sich in dieser VET-REKORDER-Folge weit mehr als ein klassisches Servicegespräch. Dr. Romy vom Bruch spricht mit Sascha Schiffbauer über sinnvolle Prävention auf Reisen, differenzierte Impfentscheidungen und die Herausforderungen einer modernen, selbstständigen Allgemeintierarztpraxis. So entsteht ein ebenso praxisnahes wie persönliches Bild davon, was Haustiermedizin heute leisten muss.
Reisen mit Hund: Gute Vorbereitung statt unnötiger Unsicherheit
Für Reisen innerhalb Europas bleibt die Basis überschaubar, aber unverzichtbar: EU-Heimtierausweis, Mikrochip und gültige Tollwutimpfung gehören zur Grundausstattung. Ergänzend betont Romy vom Bruch die Bedeutung der Core-Impfungen gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose. Darüber hinaus empfiehlt sie, vor allem auch mit Blick auf urbane Risiken, Leptospirose und Parainfluenza. Besonders Leptospirose hebt sie als häufig unterschätzte Zoonose hervor, die Hund und Mensch betreffen kann.
Südeuropa: Mehr Parasiten, mehr Verantwortung
Wer Richtung Mittelmeer reist, sollte zusätzlich an Leishmaniose, Herzwürmer und andere vektorübertragene Erkrankungen denken. Romy vom Bruch setzt dabei vor allem auf praktikable Prävention: repellierende Spot-ons, Zecken- und Mückenschutz sowie gezielte Wurmprophylaxe. Zusätzliche Impfungen wie gegen Leishmaniose sieht sie als individuelle Entscheidung – abhängig von Reisedauer, Region und Expositionsrisiko. Ihr Ansatz bleibt klar pragmatisch: Schutzmaßnahmen frühzeitig planen, aber auch kurzfristig noch konsequent umsetzen, wenn Reisen spontan entstehen.
Impfen: Zwischen Wissenschaft, Skepsis und individueller Beratung
Ein zentrales Thema bleibt der Umgang mit Impfskepsis. Dr. vom Bruch plädiert für faktenbasierte Aufklärung statt pauschaler Empfehlungen. Titerbestimmungen, individuelle Nutzen-Risiko-Abwägungen und offene Gespräche mit Besitzer:innen spielen für sie eine wichtige Rolle. Besonders bei Tollwut unterstreicht sie die Bedeutung über das Einzeltier hinaus: Hier geht es auch um Seuchenschutz und Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit.
Die klassische Haustierarztpraxis unter Druck
Besonders spannend wird das Gespräch, als Romy vom Bruch über ihren eigenen Berufsweg spricht. Als selbstständige Allgemeintierärztin beschreibt sie ein Modell, das persönlicher, unabhängiger und gleichzeitig fordernder ist als viele moderne Strukturen großer Klinikverbünde. Sie vereint medizinische Breite, unternehmerisches Risiko und familiäre Verantwortung und spricht darüber, warum diese Form der Tiermedizin zwar seltener wird, für viele Tierhalter:innen aber weiterhin eine wichtige Rolle spielt.
Zwischen Hightech und Hausverstand
Auch ohne CT versteht sich Romy vom Bruch als zentrale Lotsin für ihre Patient:innen. Sie weiß, wann sie selbst behandelt, wann Überweisungen sinnvoll sind und wo pragmatische Lösungen gefragt bleiben. Gerade dieses Zusammenspiel aus medizinischer Verantwortung, persönlicher Beziehung und realistischer Machbarkeit verleiht ihrer Arbeit besondere Relevanz.
Diese VET REKORDER-Folge zeigt, dass moderne Tiermedizin nicht nur aus Hightech und Spezialisierung bestehen muss. Sie beginnt oft bei fundierter Vorsorge, guter Kommunikation und dem Vertrauen zwischen Tierärzt:in und Tierhalter:in. Romy vom Bruch steht exemplarisch für eine Generation von Tierärzt:innen, die medizinische Kompetenz mit Bodenständigkeit, Reflektiertheit kombiniert, um nah an den realen Bedürfnissen von Tier und Mensch zu sein.
Zu hören ist der VET REKORDER #10 ist ab sofort da, wo es gute, ehrliche und interessante Podcasts gibt: https://just4vets.online/vetrekorder