Urämische Toxine – mehr als auf den ersten Blick ersichtlich

José Mottet stellte vergangenen Monat in einem Webinar der ISFM (International Society of Feline Medicine) „Uraemic Toxins: more than meets the eye“ aktuelle Studien zu diesem Thema vor.

Urämische Toxine gehören zur sogenannten Darm-Nieren-Achse. Sie entstehen als Metaboliten des intestinalen Mikrobioms, auch Mikrobiota genannt. In der Kleintiermedizin gewinnen urämische Toxine zunehmende Aufmerksamkeit, da in neueren Studien ihre maßgebliche Beteiligung an der Progression der chronischen Nierenerkrankung (CNE) und dem Urämiesyndrom beschrieben wird. Im Fokus dieser Studien steht dabei das urämische Toxin Indoxylsulfat, dessen Vorstufe Indol aus der mikrobiellen Fermentation von Tryptophan im Dickdarm gebildet wird. Das eigentliche urämische Toxin, Indoxylsulfat, entsteht durch Metabolisierung in der Leber und wird dann über die tubuläre Sekretion der Nieren eliminiert. Erst bei einer Reduktion der glomerulären Filtrationsleistung werden urämische Toxine wie Indoxylsulfat retiniert, reichern sich in Folge im Blut an und können dann ihre Schadwirkung auf den Gesamtorganismus entfalten. Die Akkumulation von Indoxylsulfat wird durch ein mit der CNE einhergehendes dysbiotisches Mikrobiom im Darm verstärkt und fördert umgekehrt den Erhalt dieser Dysbiose. Indoxylsulfat ist an einer Vielzahl von Prozessen der Nierenschädigung wie etwa Bluthochdruck, fibrotischer Umbau des Nierenfunktionsgewebes, Anämie sowie am Phophatstoffwechsel beteiligt. Dabei korreliert die Höhe der Indoxylsulfat-Konzentration im Blut mit dem Schweregrad der CNE, ihrer Progression und Prognose.

Ein in der Humanmedizin bewährter Ansatz zur Durchbrechung der Darm-Nieren-Achse ist ein selektiver Hochleistungsadsorber, der bei chronisch nierenkranken Patienten zu einer Verringerung des Indoxylsulfat-Spiegels und in der Folge zu einer Verlangsamung der Progression der chronischen Nierenerkrankung führt. Darüber hinaus wird die Dysbiose durch die verringerte Serumkonzentration von Indoxylsulfat und dessen negative Einwirkung auf die Mikrobiota nicht weiter unterhalten. Mit Renaltec® steht nun erstmalig ein solcher spezifisch für Tiere entwickelter Selektivadsorber für den Einsatz bei Katzen zur Verfügung. In Versuchen an Seniorkatzen konnte Renaltec® die Indoxylsulfat-Konzentration im Blut senken und den Serum-Phosphatwert normalisieren. Dabei nimmt Renaltec® die aus dem Mikrobiom entstehenden Vorstufen der urämischen Toxine wie Indol bereits im Darm auf und schleust sie unschädlich mit dem Kot aus, so dass daraus kein Indoxylsulfat mehr gebildet und folglich die Nieren umgangen werden können.

Das kostenlose Webinar ist noch bis einschließlich Oktober 2022 online auf www.icatcare.org für veterinärmedizinisches Fachpersonal und interessierte Katzenliebhaber in englischer Sprache verfügbar.