TierZahnZentrum München: Ein Referenzzentrum für moderne Tierzahnheilkunde
Als im Münchner Stadtteil Hadern das TierZahnZentrum München (TZZ) seine Arbeit aufnahm, wurde schnell deutlich, dass hier nicht einfach eine weitere spezialisierte Einrichtung entstanden würde, sondern ein Zentrum mit klarer medizinischer, struktureller und ausbildungsbezogener Agenda. Auf 750 Quadratmetern vereint das TZZ Tierzahnheilkunde, Kieferchirurgie, moderne Bildgebung und strukturierte Weiterbildung – mit dem Anspruch, Standards zu setzen und zugleich partnerschaftlich mit der überweisenden Praxis zu arbeiten. Geleitet wird das Zentrum von Dr. Anna Draschka und Prof. Alexander Reiter, unterstützt von einem internationalen Team aus spezialisierten Tierzahnärzt:innen, Anästhesist:innen, Zahntechniker:innen und Tiermedizinischen Fachangestellten. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem wir unsere Spezialisierung kompromisslos leben können. Medizinisch, organisatorisch und menschlich“, beschreibt Draschka die Grundidee. „Nicht größer um des Wachstums willen, sondern besser, strukturierter und zukunftsfähig.“
Von der Praxis an die Grenze – und darüber hinaus
Der Ausgangspunkt für das TZZ lag in einem Engpass: Die bestehende Tierzahnarztpraxis in Hadern war über Jahre fachlich wie personell gewachsen. Irgendwann waren die Grenzen erreicht. „Man kennt das aus vielen Praxen: Man wächst, macht Kompromisse, arrangiert sich und merkt irgendwann, dass das der eigenen Vision nicht mehr gerecht wird“, so Draschka. „Für uns war klar: Wenn wir den nächsten Schritt gehen, dann richtig.“ Das Ergebnis ist ein Zentrum mit klarer Struktur: getrennte Bereiche für Hund, Katze und Kleinsäuger, insgesamt zwölf voll ausgestattete Zahnarbeitsplätze, ein separater steriler OP für oromaxillofaziale Chirurgie, mehrere Behandlungsräume sowie hochmoderne Dentalröntgen- und CBCT-Systeme.
Auf 750 Quadratmetern vereint das TZZ Tierzahnheilkunde, Kieferchirurgie, moderne Bildgebung und strukturierte Weiterbildung."
Draschka & Reiter: zwei Profile, ein Anspruch
Im Zentrum treffen zwei Persönlichkeiten mit komplementären Stärken aufeinander. Anna Draschka, Unternehmerin, Netzwerkerin und leidenschaftliche Ausbilderin, und Alexander Reiter, international anerkannter Spezialist mit über 25 Jahren Erfahrung am Ryan Veterinary Hospital der University of Pennsylvania. „Unser Ziel ist es, strukturierte Weiterbildung auf hohem Niveau zu ermöglichen“, betont Reiter. „Dafür brauchen wir komplexe Fälle – und die bekommen wir nur im engen Schulterschluss mit den überweisenden Kolleg:innen.“
Entstanden ist das TierZahnZentrum München als Neugründung innerhalb des Netzwerks von Tierarzt Plus Partner (TPP). Seit 2019 verbindet und entwickelt TPP Tierarztpraxen und -kliniken in ganz Deutschland mit dem Ziel, die tiermedizinische Versorgung nachhaltig zu sichern und zeitgemäße unternehmerische Strukturen zu ermöglichen. Wichtig ist TPP dabei, dass Entscheidungsfreiheit, fachliche Verantwortung und die Identität der Praxis vor Ort erhalten bleiben – ein Ansatz, der beim TZZ konsequent umgesetzt wurde.
Das TierZahnZentrum versteht sich ausdrücklich als reines Überweisungszentrum. Kommunikation, Transparenz und Rückkopplung mit der überweisenden Praxis sind fest verankert. „Wissensvermittlung wird nicht weniger, wenn man sie teilt“, sagt Draschka. „Im Gegenteil: Sie wird besser.“ Überweisende Tierärzt:innen können Patienten begleiten, bei Eingriffen hospitieren oder gezielt einzelne Leistungen, etwa die 3D-Bildgebung, in Anspruch nehmen. Vor- und Nachsorge bleiben auf Wunsch in der Herkunftspraxis. Das Zentrum fungiert als Ergänzung dort, wo technische oder personelle Grenzen erreicht sind.
Zahnheilkunde braucht Bildgebung und moderne Anästhesie
Das zentrale Thema im TZZ ist die konsequente Diagnostik. Anna Draschka formuliert es ohne Umschweife: „Eine Zahnsanierung ohne vollständige Bildgebung ist nicht leitliniengerecht.“ Der klinische Blick erfasse nur etwa ein Drittel des Zahns, der überwiegende Teil der Pathologien liege subgingival. „Ohne Röntgen oder 3D-Diagnostik übersehen wir relevante Befunde – das ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich belegt.“ Zahnsteinentfernung ohne Narkose und gesicherte Atemwege sei daher keine Option, sondern eine Abweichung von internationalen Standards. Eng damit verknüpft ist die Anästhesie. „Bevor ich operiere, muss die Anästhesie richtig gut sein – das ist die Basis“, sagt Draschka. Moderne Protokolle, spezialisierte Teams und Humanstandard-Monitoring erlauben heute auch bei geriatrischen oder vorerkrankten Katzen sichere, flach geführte Narkosen. Entsprechend ist Anästhesie ein fester Bestandteil des Fortbildungsangebots am TZZ.
Das TierZahnZentrum versteht sich ausdrücklich als reines Überweisungszentrum."
Spezialisierte Heimtiermedizin: Zahnheilkunde und Narkose im Fokus
Auch die Heimtiermedizin nimmt im TierZahnZentrum München einen festen, strukturell verankerten Platz ein. Dr. Laura Imhof,
Oberärztin für Heimtiere, weist darauf hin, dass Zahnerkrankungen bei
Kaninchen, Meerschweinchen und anderen Nagern häufig unterschätzt
werden: „Kleine Heimtiere haben lebenslang nachwachsende Zähne – das ist
ein fundamentaler Unterschied zu Hund und Katze. Fehlstellungen,
Frakturen oder Abszesse sehen wir regelmäßig, werden aber oft erst spät
erkannt, weil Heimtiere als Beutetiere Schmerzen sehr lange
kompensieren.“ Entsprechend spiele die Bildgebung eine zentrale Rolle,
da die alleinige Maulhöhleninspektion das tatsächliche Ausmaß vieler
Erkrankungen nicht erfasse. Eng damit verbunden ist die Anästhesie, die
im Heimtierbereich besondere Anforderungen stellt.
Dorothee Köstler, leitende Anästhesistin für Heimtiere, betont: „Die größte Herausforderung ist nicht die Größe der Tiere, sondern ihre Stressanfälligkeit. Stress vor der Narkose ist bei Heimtieren ein erheblicher Risikofaktor.“ Deshalb setzt das TZZ konsequent auf stressarme Abläufe, angepasstes Handling und ausreichend Zeit zur Akklimatisierung. Ein wichtiges Zukunftsthema sei zudem das Rabbit-Friendly-Konzept, das grundlegende medizinische und räumliche Standards für die Heimtierbehandlung definieren soll. „Es geht nicht darum, dass jede Praxis ein Spezialzentrum sein muss“, fassen Imhof und Köstler zusammen, „aber um verlässliche Strukturen, an denen sich Kolleg:innen und Tierhalter:innen orientieren können.“ Beide beobachten zudem eine steigende Akzeptanz bei Tierhalter:innen: Investitionen in Diagnostik und Prävention nehmen zu, Erkrankungen werden früher erkannt – und Überweisungen zunehmend als selbstverständlicher Teil guter Medizin verstanden.
Ausblick: Breite stärken, Ausbildungslücke schließen, Tiefe entwickeln
Zahnheilkunde ist im Studium weiterhin unterrepräsentiert, strukturierte Weiterbildungswege sind rar. Das TZZ will hier gezielt mit Fortbildungsmodulen, Hospitationen und Perspektiven für nationale und internationale Titel ansetzen. „Zahnheilkunde ist ein chirurgisches Fach“, betont Alexander Reiter. „Das lernt man nicht in drei Wochenendseminaren. Aber man kann es lernen – mit Struktur, Zeit und guter Begleitung.“ Während im Zentrum bereits Spitzenmedizin gelebt wird, sieht Draschka den größten Hebel in der Breite: Tools, Fortbildung und Strukturen, die es vielen Praxen ermöglichen, Zahnheilkunde leitliniengerecht umzusetzen. KI-gestützte Befundung, Qualitätskontrolle in der Bildgebung und digitale Dokumentation stehen kurz vor der klinischen Reife.
Take Home Message
Das TierZahnZentrum München steht exemplarisch für eine Entwicklung, die die Tierzahnheilkunde nachhaltig prägen dürfte: klare medizinische Standards, partnerschaftliche Überweisung, strukturierte Weiterbildung – und ein unternehmerischer Rahmen, der diese Entwicklung ermöglicht, ohne die fachliche Autonomie einzuschränken. Oder, wie Draschka es zusammenfasst:„Wir wollen Zahnheilkunde nicht exklusiv machen, sondern für alle besser.“
Andreas Moll & Sascha Schiffbauer
P.S.: Am 15. Januar 2026 erscheint eine neue Folge des Tiermedizin-Podcast VET REKORDER zum Thema "Quo vadis Tierzahnheilkunde?!", in der Anna Draschka, Alexander Reiter und Mitarbeitende des TZZ München zu Wort kommen.