VET REKORDER #6: Onkologie in der Tiermedizin
"Lebensqualität isch s wichtigste" - mehr Möglichkeiten, mehr Verantwortung.
Die veterinärmedizinische Onkologie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Diagnostik und Therapie entwickeln sich rasant, die Erwartungen der Tierhalter:innen steigen – und zugleich wächst die Verantwortung für Tierärzt:innen, onkologische Patient:innen frühzeitig richtig einzuordnen und sinnvoll zu begleiten. Im Rahmen eines Round-Table-Gesprächs für den VET REKORDER diskutierten Sascha Schiffbauer und Andreas Moll gemeinsam mit Dr. Nina Eberle, Prof. Dr. Mirja C. Nolff, Dr. Jan Kuntz und Martin Schröder über den aktuellen Stand der veterinärmedizinischen Onkologie – aus Praxis-, Klinik-, Universitäts- und Industrieperspektive.
Ein zentrales Fazit der Runde: Noch nie war in der Tiermedizin onkologisch so viel möglich wie heute. Moderne Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie und innovative diagnostische Verfahren eröffnen reale therapeutische Optionen – vorausgesetzt, Patient:innen werden frühzeitig erkannt und gezielt weitergeleitet. Gleichzeitig bestehen weiterhin deutliche Unterschiede zwischen hochspezialisierten Zentren und der Versorgung in der Breite.
Intensiv diskutiert wurde die Rolle der frühen Diagnostik. Digitale Zytologie, KI-gestützte Screening-Tools und verbesserte Bildgebung können helfen, onkologische Fragestellungen schneller einzuordnen. Einigkeit herrschte jedoch darin, dass Technik immer ein Werkzeug bleibt: Die Verantwortung für Interpretation, Therapieentscheidung und Kommunikation liegt weiterhin bei den Tierärzt:innen.
Auch der Umgang mit der Diagnose „Krebs“ war ein zentrales Thema. Trotz aller Fortschritte ist sie weiterhin mit Angst verbunden – bei Tierhalter:innen ebenso wie bei überweisenden Kolleg:innen. Die Teilnehmenden plädierten für eine offenere Kommunikation über Möglichkeiten und Grenzen der Onkologie. Lebensqualität wurde dabei von allen als oberstes Ziel benannt: Moderne veterinärmedizinische Onkologie bedeutet nicht Therapie um jeden Preis, sondern individuell verantwortbare Entscheidungen.
Was sich die Teilnehmenden wünschen:
Zum Abschluss formulierte die Runde klare Wünsche für die Zukunft der veterinärmedizinischen Onkologie:
- Mehr Wissenstransfer und Austausch zwischen Allgemeinpraxis, spezialisierten Zentren und Universitäten – insbesondere, um Patient:innen früher korrekt einzuordnen.
- Weniger Angst vor der Diagnose Krebs – bei Tierhalter:innen wie auch bei Tierärzt:innen – durch bessere Aufklärung über bestehende Therapieoptionen.
- Klare Strukturen und Orientierungshilfen, etwa in Form von Leitlinien, Tumorboards oder Registerlösungen, um komplexe Entscheidungen besser abzusichern.
- Weiterentwicklung moderner Therapien, von personalisierten Ansätzen bis hin zur Immunonkologie – realistisch eingeordnet und verantwortungsvoll eingesetzt.
- Und nicht zuletzt: eine Onkologie, die fachliche Exzellenz mit Empathie verbindet und Tierhalter:innen das Gefühl gibt, mit ihren Entscheidungen nicht allein zu sein.
Neugierig geworden?
Das vollständige Round-Table-Gespräch erscheint am 15. Februar 2026 als neue Folge des VET REKORDER – und gibt den genannten Themen Raum für Tiefe, Diskussion und persönliche Einordnung: https://vetrekorder.letscast.fm