Einschalten, Anschauen, Anwenden
Akutes kongestives Herzversagen ist ein absoluter Notfall in der Kleintierpraxis, fast alle werden mit dem Leitsymptom Dyspnoe vorgestellt. Aber wie erkennt man möglichst schnell, ob eine Herzerkrankung die Ursache für die Atemnot ist? Wie geht man mit kritischen Patienten um und welche Medikamente kommen wann in Frage? Erfahren Sie mehr im aktuellen Clinical Talk mit Dr. Sonja Schiller-Gaab, Spezialistin für den Bereich Kardiologie, und erhalten Sie einen praktischen Leitfaden zum diagnostischen Vorgehen und der Notfalltherapie bei akutem kongestiven Herzversagen.
Wenn jede Minute zählt: Notfallmanagement des akuten Herzpatienten
Der dekompensierte Herzpatient wird meist mit akuter Atemnot vorgestellt. Im Idealfall werden solche Patienten bereits im Wartezimmer erkannt, prioritär behandelt und in einem eigenen, gut belüfteten Raum separiert. Die Patienten sollten beruhigt und in Brust-Bauch-Lage gebracht sowie mit Sauerstoff versorgt werden. Trotz Atemnot ist eine klinische Untersuchung wichtig, die u.a. folgende Anzeichen und Aspekte berücksichtigt:
• blasse Schleimhäute
• KFZ normal oder verlängert
• Herzgeräusch
• Tachykardie, Tachyarrythmie oder Bradykardie
• Temperatur normal oder erniedrigt
• Pulsqualität
Im Hinblick auf bildgebende Verfahren gilt, dass Röntgen bei Atemnot grundsätzlich kontraindiziert ist. Die Expertin nutzt allerdings DV-Aufnahmen, um beispielsweise kardial bedingte Lungenödeme zu erkennen sowie eine Kardiomegalie. Ein fokussierter Ultraschall im Stehen oder in Brust-Bauch-Lage ermöglicht es zudem, einen Thorax- oder Perikarderguss, die Vorhofgröße oder B-lines in der Lunge zu erkennen.
Für die gesamte Therapie empfiehlt Dr. Sonja Schiller-Gaab die Eselsbrücke "SOFIE":
- Sedation
- Oxygen
- Furosemide
- Inotrope
- Extra therapy
So sollte eine Sedation nur dann durchgeführt werden, wenn sie wirklich notwendig ist. Oxygen, also Sauerstoff, ist hingegen immer bei akuter Atemnot indiziert, z.B. wenn vorhanden mit einer Sauerstoffbox. Im Hinblick auf die Gabe von Furosemid sehen die aktuellen Leitlinien eine Dosierung von 2mg/ kg i.v. oder i.m. vor. Außerdem sollte immer Wasser ad libitum zur Verfügung stehen. Mit Inotrope ist Pimobendan gemeint, das beim Hund als Notfallpatienten immer indiziert ist und intravenös gegeben werden kann. Unter die Extra therapy fällt für die Referentin z.B. ein Thoraxerguss bei den Patienten, der eine Punktion erfordert. Als wichtigste Take away messages formuliert sie Ruhe bewahren und SOFIE berücksichtigen, um ein erfolgreiches Notfallmanagement des akuten Herzpatienten zu erreichen.
Für die gesamte Therapie empfiehlt Dr. Sonja Schiller-Gaab die Eselsbrücke "SOFIE"
ATF Anerkennung: Es besteht die Möglichkeit, auf www.clinicaltalk.de für drei angesehene Folgen eine ATF-Fortbildungsstunde zu erwerben.
Kosten: Die Teilnahme ist für Tierärzt:innen kostenlos
Link: www.clinicaltalk.de, Passwort: Clintalk!21 (Tierarzt-exklusiv, keine Weitergabe an Laien).