VET REKORDER: DGT-Präsident Michael Hartmann zur Tierzahnheilkunde
Im Gespräch mit Sascha Schiffbauer beschreibt Dr. Michael Hartmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tierzahnheilkunde (DGT), die Tierzahnheilkunde als ein Fachgebiet mit enormer inhaltlicher Breite und bemerkenswerter Dynamik. Diese Entwicklung spiegele sich auch deutlich in der jüngsten Jahrestagung der DGT wider, die bewusst ein breites Themenspektrum abdeckte – von der oro-maxillofazialen Chirurgie über praxisnahe Fallbeispiele bis hin zu hochspezialisierten Fragestellungen wie Kiefergelenkserkrankungen bei Hund und Katze. Ein besonderes Anliegen der DGT sei es, wissenschaftliche Tiefe und praktische Relevanz miteinander zu verbinden. Mit internationalen Referenten, darunter Prof. Boaz Arzi von der University of California, Davis, gelang es erneut, aktuelle Erkenntnisse aus der universitären Forschung mit den Anforderungen des tierärztlichen Alltags zusammenzuführen. Die Vielfalt der Vorträge verdeutlichte eindrucksvoll, wie breit und zugleich spezialisiert die moderne Tierzahnheilkunde heute aufgestellt ist.
Ein persönliches Highlight des Kongresses war für Hartmann das erstmals integrierte Wetlab, das mit maßgeblicher Unterstützung des Teams von VISIOVET Medizintechnik umgesetzt wurde, so dass erstmals praktische Übungen im Rahmen der Jahrestagung realisiert werden konnten. Diese Form der Wissensvermittlung sei von zentraler Bedeutung, betont Hartmann, da die Tierzahnheilkunde in hohem Maße ein handwerklich geprägtes Fach sei. Theorie und Praxis müssten daher untrennbar miteinander verbunden werden. Konsequenterweise wird die DGT auch ihre Regularien angepassen und den verpflichtenden praktischen Anteil in der Fortbildung sowie für die Aufnahme in die Tierzahnärzteliste erhöhen.
Aktueller Stand der Kleintierzahnmedizin
Dr. Michael Hartmann bewertet den aktuellen Stand der Kleintierzahnmedizin in Deutschland als sehr hoch. Insbesondere die rasanten Fortschritte in der Bildgebung hätten Diagnostik und Therapie nachhaltig verändert. Das dentale Röntgen sei heute flächendeckend etabliert, ergänzt durch moderne Verfahren wie CT- und CBCT-Bildgebung. Viele pathologische Veränderungen, die früher nur vermutet werden konnten, ließen sich heute präzise visualisieren. Dies ermögliche eine deutlich individuellere und qualitativ hochwertigere Therapie – stets angepasst an den jeweiligen Patienten.
Mit Blick in die Zukunft sieht Hartmann weiteres Entwicklungspotenzial vor allem im Bereich der Diagnostik. Fortschritte in der Bildgebung würden Tierärzt:innen nicht nur mehr Präzision, sondern auch zusätzliche Sicherheit im klinischen Alltag geben. Zugleich wirbt er ausdrücklich um den Nachwuchs für die Tierzahnheilkunde. Kaum ein anderes Fach ermögliche es, über alle Lebensphasen hinweg so unmittelbar zur Lebensqualität von Tieren beizutragen – sei es durch frühzeitige kieferorthopädische Maßnahmen oder durch die Schmerzlinderung und Wiederherstellung der Futteraufnahme im Alter. Zufriedene tierische Patienten und ebenso zufriedene Tierhalter:innen seien letztlich der größte Antrieb für dieses Fachgebiet.
SAVE THE DATE
Am 29. Oktober 2026 widmet sich die Deutsche Gesellschaft für Tierzahnheilkunde (DGT) im Rahmen des DVG-Vet-Congress dem Schwerpunkt Bildgebung – einem Bereich, der in den vergangenen Jahren eine enorme diagnostische und therapeutische Entwicklung erfahren hat.
Mehr Informationen zur Deutsche Gesellschaft für Tierzahnheilkunde unter www.tierzahnaerzte.de, zum DVG-Vet Congress (28.-31.10.2026) unter www.dvg.de/tagungen/dvg-vet-congress-2026 oder zum Tiermedizin-Podcast VET REKORDER unter https://vetrekorder.letscast.fm