Gehalt in der Tiermedizin 2026

Was verdienen angestellte Tierärzt:innen heute wirklich – und was kommt davon am Ende des Monats tatsächlich an? Kaum ein Thema wird in der Tiermedizin so intensiv diskutiert wie das Gehalt. Der Gehaltsreport 2026 liefert dazu erneut belastbare Zahlen und zeigt: Zwar steigen die Bruttogehälter weiter, doch die Spielräume werden enger, und der Fokus verschiebt sich zunehmend auf das verfügbare Netto sowie auf ergänzende Leistungen. Begleitet und fachlich eingeordnet wird der Gehaltsreport von Dr. Annika Fels, Leiterin von job.vet, der neuen Karriereplattform der Tiermedizin. Die promovierte Tierärztin studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln sowie Tiermedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo). Seit 2019 ist sie als Beraterin bei TVD in den Bereichen Stellenvermittlung, Karrierecoaching und Mitarbeitersuche tätig. Als Projekt von TVD Finanz versteht sich job.vet nicht nur als Stellenplattform, sondern als Orientierungshilfe in einem sich wandelnden Arbeitsmarkt – mit dem Ziel, Transparenz zu schaffen, Erwartungen einzuordnen und nachhaltige Karrieren in der Tiermedizin zu fördern. Der Gehaltsreport 2026 liefert dafür eine belastbare Datengrundlage.

Das Gehalt angestellter Tierärzt:innen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – doch der Zuwachs verliert spürbar an Dynamik. Mit einem mittleren Bruttomonatsgehalt von 4.650 Euro (bezogen auf eine 40-Stunden-Woche) zeigt der aktuelle Gehaltsreport 2026 zwar eine deutliche Entwicklung nach oben, gleichzeitig wird aber auch sichtbar: Die finanziellen Spielräume bleiben für viele begrenzt. Zum Vergleich: 2022 lag das mittlere Bruttogehalt noch bei 3.800 Euro, 2024 bei 4.286 Euro. Der Anstieg zwischen 2022 und 2024 betrug rund 13 %, die Steigerung bis 2026 fällt mit 8,5 % bereits deutlich moderater aus. Die Mehrheit der angestellten Tierärzt:innen bewegt sich heute in einer Gehaltsspanne zwischen 4.000 und 5.500 Euro brutto, während jeweils rund 10 % unter 3.600 Euro beziehungsweise über 6.600 Euro verdienen.

Netto bleibt die zentrale Stellschraube

Trotz steigender Bruttogehälter zeigt sich eine klare Diskrepanz beim verfügbaren Einkommen. Das mittlere Nettogehalt liegt bei 2.680 Euro – deutlich unter dem Betrag, den viele Befragte als notwendig ansehen, um ihren Lebensstandard zufriedenstellend zu sichern. 3.000 Euro netto gelten für die Mehrheit als Zielgröße. Entsprechend geben 59 % der Befragten an, mehr Netto zu benötigen, als sie aktuell erhalten. Nur 11 % sehen ihr derzeitiges Einkommen als passend an, während 30 % sogar weniger Netto benötigen würden als aktuell verfügbar ist. Diese Zahlen verdeutlichen: Die Diskussion um Gehalt verlagert sich zunehmend vom Brutto- zum Nettoblick.

Zusatzleistungen gewinnen an Gewicht

Vor diesem Hintergrund rücken zusätzliche Gehaltskomponenten immer stärker in den Fokus. Besonders häufig genannt werden Zuschläge für Notdienste (47 %), gefolgt von betrieblicher Altersvorsorge (26 %) sowie Fahrtkostenzuschüssen oder Tankgutscheinen (21 %). Auch vermögenswirksame Leistungen, steuerfreie Sachzuwendungen, Jobrad-Modelle oder Zuschüsse zum Deutschlandticket spielen eine wachsende Rolle. Auffällig ist: 20 % der Befragten erhalten bislang keine zusätzlichen Gehaltskomponenten. Gleichzeitig zeigt sich deutlich, welchen Effekt solche Leistungen haben können. Während das mittlere Netto ohne Zuschläge bei 64 % des Bruttogehalts liegt, steigt es mit Zusatzleistungen auf 67 %. Richtig eingesetzt, wirken Zusatzleistungen wie eine indirekte Gehaltserhöhung – spürbar für Mitarbeitende und gleichzeitig kalkulierbar für Arbeitgebende.

Fazit

Die Ergebnisse des Gehaltsreports 2026 zeichnen ein differenziertes Bild: Ja, die Gehälter steigen weiter – aber langsamer. Entscheidend für die Attraktivität von Arbeitsplätzen in der Kleintierpraxis wird zunehmend, wie viel Netto tatsächlich ankommt. Flexible, steuerlich begünstigte Zusatzleistungen entwickeln sich damit vom „Nice-to-have“ zum strategischen Instrument der Mitarbeiterbindung.

Der Gehaltsreport kann online abgerufen (https://job.vet/gehaltsreport) oder bei TVD kostenlos angefordert werden.