"Catfriendly Handling Workshop" by Vet-Concept
Am 28.9. 2024 fand im Vetklinikum Wien ein spannender Workshop zum Thema „Catfriendly Handling“ statt, der sich exklusiv an Tiermedizinische Fachangestellte und Ordinationsassistent:innen richtete. Ziel war es, den Umgang mit Katzen in der tierärztlichen Praxis zu optimieren und stressfreie Behandlungsmethoden vorzustellen. Darüber wurden den Teilnehmenden hilfreiche Tipps gegeben, wie Katzenbesitzer:innen hinsichtlich Haltung gut beraten werden können. Denn – und das war mein persönlicher AHA-Moment des Workshops – „Catfriendly“ beginnt nicht erst beim Betreten der Tierarztpraxis, sondern bereits Zuhause und auf dem Weg in die Praxis.
Lisi Baszler, Gründerin der 1stdayskillsacademy, stellte die Feline Environmental Needs Guidelines der American Association of Feline Practitioners (AAFP) vor, die wichtigen Empfehlungen zur Schaffung einer katzenfreundlichen Umgebung bieten. Die Optimierung der Umweltbedingungen hat nachweislich einen direkten Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Katzen. Die Hauptziele dieser Richtlinien sind daher die Verbesserung der Lebensqualität von Katzen, die Förderung der Prävention gegen körperliche und psychische Erkrankungen sowie die Steigerung der Compliance von Katzenbesitzer:innen. Denn oft wird erst dann über diese Aspekte nachgedacht, wenn Katzen bereits unter Stress leiden und unerwünschtes Verhalten zeigen.
Besonders in Mehrkatzenhaushalten ist es wichtig, Konflikte frühzeitig zu erkennen, da Katzen häufig Symptome von Stress oder Krankheit sehr gut und über einen langen Zeitraum verbergen können. Entscheidend ist die Anpassung der Umgebung an die individuellen Bedürfnisse der Katzen. Und umso besser TFAs, TOAs und Tierärzt:innen informiert sind, desto besser können sie Katzenbesitzer:innen aktiv beraten.
Mag. Lisa-Maria Kulmer, Resident ECVIM-CA (IM) von der Vetmeduni Vienna, ging in ihrem Vortrag auf die Feline Idiopathische Zystitis (FIC) ein, eine komplexe Erkrankung, die zu den sog. Feline Lower Urinary Tract Diseases (FLUTD) gehört. FLUTD beschreibt einen Symptomkomplex, der die harnableitenden Organe von Katzen betrifft, darunter Harnblase und Harnröhre. FIC wird jedoch als eigenständiges Krankheitsbild betrachtet, da sie keine spezifische ursächliche Erkrankung wie Urolithen oder bakterielle Infektionen aufweist. Stattdessen entspricht FIC der interstitiellen Zystitis des Menschen und betrifft die harnableitenden Wege, jedoch nicht die medizinischen Organe selbst. Um das Wohlbefinden betroffener Katzen zu fördern, sind multimodale Umweltmodifikationen (MEMO) entscheidend. Dazu gehören z.B. die Umstellung auf Nassfutter, ein effektives Toilettenmanagement sowie eine Verbesserung der Mensch-Tier-Interaktion, also auch hier wieder die Schaffung eines katzenfreundlichen Zuhauses.
Der CATFRIENDLY HANDLING WORKSHOP by Vet-Concept war ein voller Erfolg. Die Kombination aus tollen Vorträgen und vor allem den praktischen Übungen ließ die Teilnehmer:innen mit neuen Erkenntnissen und hochmotiviert nach Hause gehen."
Stressarmer Transport, katzenfreundliche Praxisgestaltung & respektvoller Umgang
Das Highlight des Workshops war zweifelsohne der Vortrag von Sabine Schroll, DER Expertin im Bereich katzenfreundliches Handling und Inhaberin einer reinen Katzenpraxis in Krems. Besonders eindrucksvoll war es, dass sie ihre „Boyband“, ihre vier Abessinierkater mitgebracht hatte, die während des Vortrags für Furore sorgten. Anschaulich zeigte sie, wie kooperativ Katzen sein können, wenn man eine positive Beziehung zu ihnen aufgebaut hat. Sabine Schroll erklärte, wie Tierarztpraxen durch fachgerechtes Handling und spezielle Rahmenbedingungen den Stress bei Katzen minimieren können. Im Mittelpunkt stand, dass jede Katze eine individuelle Toleranzgrenze hat, die in der Praxis möglichst nicht überschritten werden sollte. Schroll betonte auch, dass Katzen kooperative Patienten sein können, wenn einige Grundvoraussetzungen erfüllt sind: stressarmer Transport, katzenfreundliche Praxisgestaltung und ein respektvoller Umgang. Besonders wichtig sei es, die Reize für die Katze zu minimieren, z. B. durch leises Arbeiten, gedämpftes Licht, reduzierte Gerüche und vor allem durch Geduld oder wie es Sabine Schroll in ihrem Vortrag treffend formulierte: „Mit Katzen arbeiten bedeutet, alle Zeit der Welt zu haben – oder zumindest so zu tun als ob!“
Ihr Fazit lautete:
Weniger ist mehr – weniger direkte Manipulationen, weniger Hektik und
weniger Reize sorgen für eine stressfreie und erfolgreiche Behandlung
der Katze in der Tierarztpraxis.
Hands On
Nach Sabine Schrolls Vortrag und einer kleinen Pause wurde der Workshop interaktiv. Die Teilnehmer:innen wurden in Gruppen eingeteilt und hatten die Möglichkeit, an verschiedenen Stationen die Theorie in die Praxis umzusetzen. Eine der Stationen widmete sich dem Katzenpurrito-Wickeln, einer Catfriendly-Handling-Technik, die es ermöglicht, die Katze in ein Handtuch zu wickeln, um sie während der Untersuchung sanft zu sichern. Die Teilnehmer:innen konnten unter Lisi Baszlers Anleitung an Stoffkatzen ausprobieren, wie man diese Methode anwendet.
Take Home Messages
Der CATFRIENDLY HANDLING WORKSHOP by Vet-Concept war ein voller Erfolg. Die Kombination aus tollen Vorträgen und vor allem den praktischen Übungen ließ die Teilnehmer:innen mit neuen Erkenntnissen und hochmotiviert nach Hause gehen.
Mit dieser Motivation und dem wertvollen neuen Wissen im Gepäck habe ich meine nächsten Dienste in der Ordination gestartet und konnte es kaum erwarten, die catfriendly-handling Techniken in der Praxis auszuprobieren. Und tatsächlich waren die Ergebnisse durchwegs positiv. Der „Katzenkringel“, eine zusammengerollte Decke, die als Begrenzung auf dem Untersuchungstisch dienen soll, hat tatsächlich dafür gesorgt, dass die Katzen es sich gemütlich gemacht haben und es nicht notwendig war, sie festzuhalten. Die Katzen reagierten viel entspannter auf die Untersuchungen, und auch die Besitzer:innen waren begeistert, wie ruhig und stressfrei ihre Tiere behandelt wurden. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich mit einfachen und unkomplizierten Maßnahmen so viel bewirken lässt und dadurch das Wohl der Katzen und die Zufriedenheit der Besitzer:innen gesteigert wird.