Gemeinsam Wissen schaffen: Die AG Nephrologie und Urologie der DVG

Fortschritt in der Tiermedizin entsteht dort, wo Wissen geteilt, Erfahrungen ausgetauscht und neue Ideen gemeinsam weitergedacht werden. Gerade in der Nephrologie und Urologie innerhalb der Tiermedizin haben sich in den vergangenen Jahren die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten deutlich erweitert – bis hin zu interventionellen Verfahren, die neue Perspektiven in der Patientenversorgung eröffnen. Mit der Neugründung der AG Nephrologie und Urologie möchte die DVG diesen dynamischen Entwicklungen Rechnung tragen. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, den kollegialen Austausch zu stärken, ein interdisziplinäres Netzwerk für gemeinsame Fragestellungen aufzubauen und die Grundlage für multizentrische Studien zu schaffen. Darüber hinaus soll die AG Impulse für ein wissenschaftliches Programm im Rahmen der DVG setzen und so die Weiterentwicklung des Fachbereichs aktiv mitgestalten. Die Leitung der Arbeitsgruppe übernimmt PD Dr. Roswitha Dorsch (Kleintierklinik der LMU München), unterstützt von Dr. Svenja Teichmann-Knorrn (Tierklinik Hofheim) als Stellvertreterin.

Liebe Frau PD Dr. Dorsch, liebe Frau Dr. Techmann-Knorrn, welche Entwicklungen in der veterinärmedizinischen Nephrologie und Urologie haben aus Ihrer Sicht den Anstoß zur Gründung dieser neuen Arbeitsgruppe gegeben?

Der Gewinn neuer Erkenntnisse wird auch in der Tiermedizin immer schneller, gleichzeitig betreffen viele uronephrologischen Erkrankungen unterschiedliche Fachbereiche. Ein gutes Beispiel dafür sind Patienten mit Harnsteinen: um diese optimal versorgen zu können, benötigen wir Tierärzt:innen Wissen aus Innerer Medizin, Intensivmedizin, Radiologie, Anästhesie, Chirurgie, Labordiagnostik und Diätetik. Gleiches gilt auch für die vielen, vielen Patienten mit vermeintlich einfacher chronischen Nierenerkrankung: Diagnose, Monitoring und Therapie erfordern einen multimodalen Ansatz. Ständig gibt es neue Laborparameter, Klassifikationen und Therapieoptionen. Es ist nicht leicht und wird immer anspruchsvoller, hier einen Überblick zu behalten.

Wir wünschen uns, mit der AG ein Netzwerk zum Austausch zwischen Spezialist:innen der Uronephrologie sowie der Spezialist:innen der unterschiedlichen Disziplinen zu schaffen und gleichzeitig mittels Fortbildungsangeboten Praktiker:innen zu ermöglichen, in Sachen Uronephrologie auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zu bleiben.

Neue diagnostische Verfahren und interventionelle Therapien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Welche inhaltlichen Schwerpunkte möchte die AG in den kommenden Jahren setzen?

Das stimmt, gerade die interventionellen Therapieformen waren für uns eine der Hauptargumente zur Gründung der AG und sollen auch zukünftig einer der Schwerpunkte sein. Uns Beiden liegen die minimalinvasiven Eingriffe am Harntrakt, wie die Laserlithotripsie (minimalinvasives Zertrümmern von Harnsteinen) und die Laserablation ektoper Ureteren, sowie die Therapie von Ureterobstruktionen sehr am Herzen. Einige dieser Verfahren sind in der Tiermedizin noch vergleichsweise neu und bislang nur an wenigen Zentren etabliert. Um so wichtiger ist ein strukturierter Austausch: Erfahrungen teilen, voneinander lernen, Fehler vermeiden. Unser Ziel ist es, gemeinsam Expertise aufzubauen – zum Nutzen der Patienten.

Ein zentrales Ziel der AG ist der kollegiale Austausch zwischen Praxis, Klinik und Wissenschaft. Wie soll dieses Netzwerk konkret wachsen, und wie können interessierte Kolleg:innen sich einbringen?

Wir wünschen uns einen guten, offenen und wertschätzendes Austausch innerhalb unserer Arbeitsgruppe – es soll möglich sein, sich bei komplexen Fällen Rat zu holen, über vermeintliche Fehler zu sprechen, gemeinsam zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.

Um die Uronephrologie in der Tiermedizin weiter voranzubringen, ist auch die Planung und Durchführung multizentrischer Studien wichtig (da sind uns andere Länder und Fachbereiche weit voraus). Wir haben bereits ein paar gemeinsame Projekte gemacht und haben gerade eine weitere Studie zur Bestrahlung von Katern mit idiopathischer Zystitis geplant. Es gibt so viele wissenschaftliche und klinische Fragestellungen, die die evidenzbasierte Tiermedizin noch nicht beantworten kann. Wir sind überzeugt davon, dass viele dieser Fragen nur im Team unterschiedlicher Fachbereiche und in guter Zusammenarbeit zwischen Praxis, Klinik und Universitäten zu beantworten sind. Toll wäre es, hier weitere motivierte und interessierte MitstreiterInnen zu finden!

Welche Rolle soll die AG Nephrologie und Urologie langfristig innerhalb der DVG spielen?

Natürlich soll die AG Nephrologie und Urologie langfristig eine feste Institution innerhalb der DVG werden und bleiben. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass der Bereich Uronephrologie den verdienten Stellenwert hat und allen interessierten Kolleg:innen eine Plattform zum Austausch bieten. Der Austausch zwischen den Mitglieder:innen soll sowohl auf Treffen während des jährlichen Kongresses als auch bei regelmäßigen Onlinetreffen stattfinden. Hier können unterschiedliche Themen, Fragestellungen, Ziele der AG, aber auch komplexe Fälle, sowie Möglichkeiten der Zusammenarbeit besprochen werden.

Außerdem wollen wir im Rahmen von Fortbildungen aktuelles und relevantes Fachwissen vermitteln. Für 2026 planen wir zum Beispiel eine mehrteilige Online-Fortbildung zum Thema "Chronische Nephropathien", in der kommenden Ausgabe der HUNDERUNDEN #39 wir ein Übersichtsartikel zur Leptospirose erscheinen und auf dem nächsten DVG-Kongress wollen wir uns u.a. mit einem Seminar über Harninkontinenz einbringen.

Wir freuen uns über alle Kolleg:innen, die weitere Ideen haben und sich aktiv einbringen wollen!