Diätetische Maßnahmen und Herausforderungen bei Diagnostik und Management.
Ungefähr jede fünfte Katze kommt mit einer dermatologischen Fragestellung in die tierärztliche Praxis. Die allergische Reaktion auf Proteine im Futter, die sich sowohl durch Juckreiz und Hautveränderungen als auch durch gastrointestinale Symptome bemerkbar machen kann, ist eine Form des Felinen Atopischen Syndrom (Abb. 1). Viele Fragen zum Felinen Atopischen Syndrom sind noch offen. Es konnten aber bereits Unterschiede zur Pathophysiologie und Symptomatik im Vergleich zu Hunden und Menschen gezeigt werden. Die Unterscheidung der Futterallergie vom Felinen Atopischen Hautsyndrom und der allergischen Floh-Dermatitis ist für das Management der felinen Patienten von Bedeutung.
Diätetik
Nährstoffcocktails zur Unterstützung von Hautgesundheit und Hautbarriere
Nährstoffe, die die Hautbarriere und -regeneration unterstützen, sind bei Hautläsionen durch Juckreiz, z.B. bei Flohspeichel- oder Futterallergie von Vorteil. Zu nennen wären beispielsweise Nährstoffe wie Pantothensäure, Niacin, Lutein, essenzielle Fettsäuren wie Linolsäure (Omega-6) und EPA & DHA (Omega-3), Antioxidantien oder Spurenelemente wie Zink. Bei atopischen Patienten kann die Hautbarriere gestört ein, so dass vermehrter Flüssigkeitsverlust und erhöhtes Risiko für das Eindringen von schädlichen Noxen möglich sind. Dies ist für feline Atopiker noch nicht nachgewiesen worden. Dennoch kann man davon ausgehen, dass auch diese von Nährstoffen profitieren, die Hautgesundheit unterstützen und helfen, Entzündungen zu kontrollieren.
Diagnostik und Management bei feliner Futterallergie
Als das verlässlichste diagnostische Mittel der Wahl, um zwischen Umwelt- und Futterallergie zu unterscheiden, wird aktuell (immer noch) die Eliminationsdiät gesehen. Die Eliminationsdiät beruht auf dem Prinzip, die Exposition mit Allergenen im Futter eine gewisse Zeit (ca. 6-8 Wochen) zu vermeiden. Der Proteinbedarf der Katze wird in der Zeit nur über ein ausgewähltes Protein in der Ration gedeckt oder über hydrolysiertes Protein. Hochgradige Hydrolyse der Proteine erzeugt sehr kleine Proteinfragmente, die keine Immunreaktion mehr auslösen können (Abb. 2). Das Risiko für eine Reaktion des Immunsystems wird immer geringer je kleiner die Fragmente sind. Dabei müssen alle anderen Nährstoffe in der Ration wie auch Lagerung oder Zubereitung der Diät und auch die gesamte Umgebung der Katze so gut wie möglich kontrolliert werden. All dies erhöht die Aussagekraft einer Eliminationsdiät. Für eine gesicherte Diagnose gehört die Provokation mit einem Futter, das vermutlich die allergische Symptomatik ausgelöst hat, zwingend dazu. Dieses Vorgehen ist wichtig für eine möglichst sichere Diagnose. Bei Futterallergie muss in Zukunft gut auf die Proteinquellen in der Nahrung geachtet oder hypoallergene Diäten mit hydrolysierten Proteinen eingesetzt werden.
Herausforderungen
Symptome entdecken: Juckreiz ist eines der Hauptsymptome bei dermatologischen Allergiepatienten und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Kratzen ist eine deutliche Reaktion. Allerdings kann die Reaktion auf Juckreiz auch subtiler ausfallen und beispielsweise durch Putzen oder Verstecken ausgedrückt werden. Dies kann die Beurteilung der Symptomatik in alle Richtungen wesentlich erschweren.
Akzeptanz und diätetische Optionen: Ob eine Katze eine Nahrung attraktiv findet, entscheidet sich oft bereits vor dem Napf über den Geruchssinn. Anwärmen der Nahrung auf Körperwärme kann daher helfen, die Diät interessant zu machen. Weitere Faktoren können Maulgefühl beim Fressen, Zusammensetzung und auch z.B. Stress, Schmerzen oder Unwohlsein während des Fressens sein. Letztere können auch zu einer Futteraversion führen. Gute Akzeptanz hilft, die Katze bedarfsdeckend mit Nährstoffen zu versorgen. Leider ist die Auswahl der diätetischen Optionen begrenzt. Auch die TierhalterInnen haben über ihr Verhalten Einfluss auf die Akzeptanz. Kommerzielle Alleinfuttermittel sind bedarfsdeckend und bieten in der Regel eine gute Akzeptanz für viele Tiere. Für spezielle Feinschmecker ist gerade für die Langzeitversorgung die Rationsberechnung durch einen Spezialisten für Ernährung und Diätetik zu empfehlen.
Eliminationsdiät: Diese Zeit ist eine große Herausforderung, da sie Futterumstellung bedeutet und viel Planung sowie ausgeprägte Wachsamkeit durch die HalterInnen erfordert. Dabei ist auch viel Kommunikationsaufwand von tierärztlicher Seite notwendig. Bei Patienten, die Freigang gewöhnt sind oder in einem (unkontrollierbaren) Mehrkatzenhaushalt leben, kann die Aussagekraft der diagnostischen Eliminationsdiät von vorneherein beschädigt sein. In solchen Fällen kann es Sinn machen, auf die Eliminationsdiät zu verzichten und eine hypoallergene Ernährung zu wählen, z.B. eine Diät für Allergiker mit hydrolysierten Proteinen.
Co-Morbiditäten
Komplexer wird die Situation, wenn die Katze neben einer Futterallergie noch weitere Erkrankungen hat, die ebenfalls diätetische Beachtung benötigen. Hier wären zum Beispiel die Erkrankungen der unteren Harnwege zu nennen, bei denen ein niedriges spezifisches Gewicht des Harns und damit ein Spüleffekt angestrebt wird. Dies kann über geeignete Ernährung beeinflusst werden. Auch bei chronischen Nierenerkrankungen ist eine geeignete Ernährung mit angepasstem Proteingehalt und verringertem Phosphorgehalt sehr wichtig für Erhalt der Lebensqualität und um die Nieren zu unterstützen. In diesen Fällen können Multibenefit-Diäten mit hydrolysierten Proteinen helfen, feline Futterallergiker mit Co-Morbiditäten bestmöglich zu versorgen.
Take Home Messages
Diagnostik und Management von Katzen mit Futterallergie hat viele Herausforderungen, wie zum Beispiel chronische Nierenerkrankungen als Co-Morbiditäten.
Diätnahrungen mit hydrolysierten Proteinen und geeigneten Nährstoffprofilen können helfen, diese felinen Dermatologie-Patienten bestmöglich zu versorgen.
Literatur
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